Schreiben an den Bundespräsidenten S. 1.
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ULMER GULDEN als Grundeinkommen in regionaler Parallelwährung?

 

Denkanstoß im Oktober 2015 von A. Kinzler

 

 

1. Worum es geht

 

Ein bedingungslose Grundeinkommen (BGE) nach der Vereinbarung des Netzwerkes Grundeinkommen und nach den schwerpunktmäßig vertretenen Vorstellungen der Initiative Grundeinkommen Ulm hat vier Qualitätsmerkmale:

 

- jeder erhält es in Existenz sichernder Höhe (Wohngeldanspruch müsste allerdings „beantragt“ werden),

 

- es ist individuell, d.h. unabhängig von einer Versorgungsgemeinschaft,

 

- man muss nicht dem Arbeitsmarkt „zur Verfügung stehen“,

 

- man muss nicht beweisen, dass man arm ist.

 

 Es sieht so aus, als ob es dieses aus Steuern finanzierte Grundeinkommen für jede/n in unserer Republik, geschweige denn in Europa oder in der Welt so bald nicht geben wird. Das Interesse der Politik ist zögerlich. Noch werden die Formeln von Wirtschafts-Wachstum und Arbeitsplätzen hochgehalten, um eine anstehende Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft hinauszuzögern. Aber spätestens seit Stephane Hessel: „Empört Euch!“ kommt aus der Gesellschaft heraus immer mehr Mut, Alternativen zu denken und auszuprobieren. Ich nenne als Beispiel die überall entstehenden Reparatur-Cafés, die der Ressourcenverschwendung etwas Sinnvolles entgegensetzen. Wenn genügend Menschen einen Trampelpfad benutzen, der zu einem wichtigen Ziel führt, entsteht tatsächlich ein richtiger Weg! Es muss gar nicht immer eine vom Landratsamt genehmigte Asphaltstraße sein.

 

Die Alternative zu einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle könnte sein ein selbstgemachtes Grundeinkommen, besser Zusatzeinkommen, für alle, die es wollen (also nicht für alle). Es würde nicht in Euro ausbezahlt, sondern in einer Gutscheinwährung, ähnlich den Regionalwährungen, die da „Chiemgauer“ heißen oder „Donau-Taler“, „Bremer Roland“ oder „Kannwas“. Dieses Einkommen wäre nicht ganz bedingungslos, würde aber wesentliche Freiheitsgrade eines BGE umfassen. Wer bekäme die neuen „Gulden“?

 

 Alle Bürger einer bestimmten Region, die es wollen, bekommen ab sofort monatlich, sagen wir, 300 Taler zur freien Verwendung, allein gegen Vorlage des Personalausweises? Oder sollte vielleicht doch die Steuererklärung vorgezeigt werden?

 

- Oder zuerst einmal alle Kinder?

 

- Oder zuerst einmal alle Rentner, die es wollen, ohne den Nachweis der Aufstockungsberechtigung erbringen zu müssen?

 

- Oder zuerst einmal nur die „Deutschen“?

 

- Oder gar die Flüchtlinge, oder diese erst recht?

 

 

2. Selbst gemachte Marmelade ja, aber selbst gemachtes Geld?

 

In dem Film /DVD Der Schein trügt – eine Expedition in die Rätsel des Geldes von Claus Strigel - wird uns folgende Geschichte (kein Märchen!) erzählt:

 

 Ein Gastwirt findet abends beim Aufräumen einen 1.000-Euro-Schein. Er ist unschlüssig. Ist der echt? Will ihn jemand auf die Probe stellen? Was soll er damit machen? Er legt ihn vorerst beiseite. Auf der anderen Straßenseite gibt es eine Boutique, in der seit ein paar Tagen ein todschicker Damen-Mantel hängt. Der Wirt entschließt sich - niemand hat den Schein vermisst - seiner Frau den Mantel zu kaufen. Er kostet 1000 €. Die Laden-Inhaberin freut sich und bestellt den Maler, der ihr – für 1000 Euro – die Räume neu streicht. Der Maler gönnt sich endlich den Schreibtisch für 1000 Euro vom Antiquitätenhändler an der Ecke. Der Antiquitätenhändler, bezahlt mit dem Tausender das Essen für seine Geburtstagsgäste, das er bei unserem Gastwirt ausrichten lässt.

Der Wirt beschließt, den Tausender auf die Bank zu bringen. Dort erfährt er, dass es gar keine 1000-Euro-Scheine gibt! Der Tausender ist wertlos!

Schade, es könnte eigentlich immer so weitergehen... Was ist passiert? Ein wertloses Stück Papier hat die Funktion echten Geldes (Kaufgeldes) übernommen, hat eine Menge erlebt und bewirkt, hat sogar Mehrwertsteuer bezahlt und ist am Ende wieder im Nirwana verschwunden. Niemand hatte einen Verlust. Auf ganz ähnliche Art gehen ja die von unseren Banken erzeugten Kreditgelder, „fiat money“ durch die Welt.

Die Idee, ein Grundeinkommen auf der Basis „selbst gemachten“ Geldes zu verschenken, verdanke ich Martin Fingers Diplomarbeit von 2007 „Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als Alternative zu den deutschen Sozialsystemen unter Verwendung einer parallelen Währung“. Der Gedanke ist, ein Grundeinkommen bzw. Zusatzeinkommen anzubieten für alle, die es wollen, ohne dass es aus Steueraufkommen finanziert werden muss. Es ist plötzlich da, geschaffen aus dem Nichts wie ein moderner Bankkredit (fiat money). Ein Bankkredit muss zurückgezahlt werden mit Zins und Zinseszins. Bei einem „fiat Grundeinkommen“ würde sich eine eingebaute Alterung des Geldes (bereits bei J.M. Keynes zu finden) verhindern, dass zuviel davon in Umlauf ist. Die Kaufkraft von Geld ist abhängig von der umlaufenden Geldmenge. Das alternative Geld soll, wie jede Ware in der Lebenswirklichkeit, nach und nach an Wert verlieren und über eine Schwundgebühr verbraucht werden (Einzelheiten bei M. Finger). Unsere Gulden rosten allmählich, lösen sich in Luft auf und machen Platz für neues Geld.. Im normalen Bankwesen haben, besser gesagt, hatten die Zentralbanken die Kontrolle darüber, um ein Gleichgewicht zwischen Kaufkraft und Waren-Dienstleistungsangebot zu halten und damit Inflation (zuviel Geld, zu wenig Waren) und Deflation (zu wenig Geld, zuviel Waren) zu beeinflussen.

 

Und was ist mit der Deckung? - Es gibt keine materielle Deckung, so wie es für die nationalen Währungen auch keine Deckung gibt. Geld ist nichts weiter, als ein Versprechen, eine Vereinbarung zwischen Geber und Nehmer. Bundesbankpräsident Weidmann hat immerhin in einer öffentlichen Rede (2012) gesagt: „Heutiges Geld ist durch keinerlei Sachwerte mehr gedeckt. Banknoten sind bedrucktes Papier … Münzen sind geprägtes Metall“. - Vertrauen ist die Deckung; auch Kredite und Muscheln haben den Wert, den wir untereinander vereinbaren. Wir sind gewohnt zu denken, dass wir für unsere Arbeitskraft Geld bekommen. Das Geld ist eine Art Recht auf einen Teil der Schätze der Erde und ebenso auf einen Teil der Arbeitskraft anderer. Ist also Arbeitskraft die Deckung des Geldes? Produkte und Dienstleistungen müssen schließlich erarbeitet werden. Ja und nein. In Wirklichkeit werden immer auch Leistungen erbracht, die nicht bezahlt wurden oder nicht bezahlbar sind, und immer wurden und werden Summen bezahlt an Menschen, die keine oder vergleichsweise geringfügige Leistungen erbringen (Kinder, Rentner, Erben). Andrerseits ist „mensch“ so veranlagt, dass er ziemlich gerne etwas leistet und gebraucht wird, wenn er denn gebraucht wird. Und wer eine vernünftige bezahlte Arbeit findet, wird nicht nein sagen. Aber noch einmal: Geld ist durch Vertrauen gedeckt, man muss daran glauben (credere)!

 

 

3. Warum überhaupt ein Grund- oder Zusatzeinkommen?

 

Ich habe noch keinen guten Begriff für das Zusatzeinkommen in „Gulden“. Es handelt sich, wie gesagt, um selbstgemachtes Geld bzw. elektronisches Geld, mit dem man in der Region einkaufen kann. Aber wozu brauchen wir so etwas überhaupt? Weil es in Deutschland Tafelläden gibt, seit 1993 mit steigender Tendenz. Weil es Frauen und Männer gibt, die in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen. Weil es RentnerInnen gibt, die mit dem Einkommen nicht auskommen. Weil es prekäre Freiberufler gibt und ledige Mütter und allein erziehende Väter und Künstler und junge Akademiker ohne Festanstellung und Facharbeiter zweiter Klasse mit schlechten Arbeitsverträgen und „strukturelle“ Langzeit-Arbeitslose und: arbeitslose Lebenskünstler, natürlich auch die. Heute muss ich hinzufügen: Und tausende Kriegs- und Armutsflüchtlinge, die den ohnehin brüchig gewordenen sozialen Frieden belasten.

 

4. Wie soll das gehen?

 Ein regionaler Grundeinkommensverein wird die Regeln festlegen müssen, nach denen die Sache funktionieren soll, eine richtige demokratische Herausforderung für mündige Bürger! (In Ulm ist eine Verbindung mit „Lass den Klick in deiner Stadt“ denkbar.) Die anzusprechenden Vertragsparteien werden die Vereinbarungen bestätigen oder ablehnen. Das System ist darauf angewiesen, dass vielerlei Anbieter von Waren und Dienstleistungen sich bereit erklären, das parallele Geld wie richtiges Geld zu akzeptieren, wie das bei bereits bestehenden Regionalwährungen funktioniert. Die Empfänger des Grundeinkommens müssen ihrerseits bereit sein, ein deutliches Mehr an Überlegung zu ihrem Konsumverhalten aufzuwenden.

 

 Vorzugsweise wird eine Zusammenarbeit mit einer genossenschaftlichen Bank anzustreben sein, die vermutlich mehr Akzeptanz hat als ein selbst ernannter Geldschöpfer- und Verwalter. (Ich denke hier konkret an den Donau-Taler, eine neuere Regionalwährung in Riedlingen, die von der dortigen Volksbank wohlwollend mitverwaltet wird und wo die Gemeinde einen Teil der kommunalen Steuern in Talern akzeptiert)

 

 Die Mehrwertsteuer, die bei jeder Transaktion fällig wird, muss allerdings bis auf weiteres in Euro abgeführt werden. Die Parallelität der Geldsysteme ist daher gefragt. Auch eine geringe jährliche Nutzungsgebühr in EURO wird für entstehende Unkosten erhoben werden müssen.

 

 Also:

 Ich erhalte monatlich 300 Gulden – einfach so - von der Ausgabestelle auf meine Chipkarte. Mit der Karte bezahle ich bei Erdapfel oder bei der Bäckerei-Kette der Stadt oder bei meinem Zahnarzt und dessen Techniker, bei allen, die ein Symbol an der Haustüre haben, dass sie „Ulmer Gulden“ akzeptieren. Der Bäckereibetrieb zahlt einen Teil der eingenommenen Gulden an seine Angestellten, ebenso an den teilnehmenden Mehl-Lieferanten. Die Angestellten kaufen mit ihren Gulden bei Erdapfel und Alnatura, vielleicht sogar bei Rewe und Aldi, wenn sich herumgesprochen hat, dass man Umsätze auf sich zieht, die sonst nicht getätigt würden. Erdapfel und Alnatura bezahlen mit den Gulden den Bio-Bauern aus der Region. Dieser kauft ein Fahrrad oder einen Gebrauchtwagen auf Raten beim entsprechenden Händler usw. Der Ulmer Schlachthof allerdings kann seine Gastarbeiter nicht mit Gulden bedienen, denn sie wollen harte Euros nach Hause schicken können. Vielleicht ist er zu einer Halbe/Halbe-Lösung bereit. Man könnte auch mit Gulden ins Konzert, ins Kino, ins Gasthaus gehen und Halbe/Halbe bezahlen, also Gulden und Euro je zur Hälfte. Der Kinobetreiber und der Wirt haben selbst dann einen Vorteil, wenn sie mit den Gulden zunächst gar nichts anfangen wollen oder sie ihren Enkeln schenken. Das alles ist zu vereinbaren und mit der Chipkarte leicht zu bewältigen.

 

Man kann mit dem alternativen „Geld“ leider nicht verreisen. Das ist ziemlich national bzw. regional gedacht, soll aber eine bewusste Ergänzung und Entspannung gegenüber dem selbstverständlich weiterhin stattfindenden Weltmarktgetümmel sein.

 

Ebensowenig würde ich den Internethandel dieses geschlossene System einbeziehen, weil durch ihn unnötige CO2-Emmissionen entstehen und längerfristig unsere Einkaufsstraßen veröden.

 

 

5. Das Perpetuum Mobile, also? Wo ist der Haken?

 

Der Haken ist derselbe wie beim Schneeballsystem und beim Schwarzer Peter-Spiel: der Letzte ist der Dumme. Wenn das System aufhört aus welchem Grunde auch immer, können die beteiligen Produzenten und Händler ihre Gulden nicht mehr loswerden und haben Verlust gemacht. Die Gulden können nach meiner Vorstellung nicht in Euro umgewechselt werden, sie haben ihren Wert nur innerhalb der Vereinbarungen. Dass allerdings auch im „normalen“ Geldsystem Gefahren stecken, wissen wir nicht erst seit 2008. Niemand kann garantieren, ob morgen noch alles so ist wie heute.

 

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 WEITERE FRAGEN UND GEDANKEN

 

 1. Sollen wirklich alle „Ulmer Gulden“ bekommen, die sie haben wollen? Und was machen diejenigen damit, die ein solches Zusatzeinkommen nicht brauchen? Zahlen sie die Raten für den neuen SUV beim Opelhändler? Sparen sie nun noch mehr Euros zusammen, die sie für sich „arbeiten“ lassen oder mindestens vererben müssen? Denn es sollte ja gerade ein wichtiger Nebeneffekt der nicht konvertierbaren Währung sein, dass man sie dem Spekulationsmarkt entzieht. Vielleicht müsste ja doch die Steuererklärung von der „Taler-Verwaltung“ herangezogen werden bei der Anmeldung?

 

 2. Würde das alternative Geld einkommensteuerpflichtig? (Das bedingungslose Grundeinkommen in Euro wäre es nicht, weil es sich nach unserer Vorstellung in der Höhe des gesetzlichen Steuerfreibetrages bewegt.) Da das neue Geld dazu gedacht ist, ausgegeben zu werden, wird es in jedem Fall mehrwertsteuerpflichtig, das ist doch eigentlich auch schon was.

 

 3. Wie läßt sich die rigorose Hartz-Gesetzgebung umgehen oder verändern?! Damit steht und fällt vermutlich das Ganze.

 

 4. Könnte mit den Rentnern angefangen werden? Und wie? Wikipedia weiß: 3,7 Millionen Rentner leben in Deutschland mit einer gesetzlichen Rente von unter 300 Euro im Monat. Sechs Millionen Rentner erhalten eine bis zu 500 Euro. 13 Millionen Senioren, rund 72 Prozent, erhielten 2012 eine Rente von bis zu 1000 Euro im Monat.“ (Zahlen von 2011)

 

5. Könnte mit den Kindern angefangen werden – die Sozialverbände sprechen von einem monatlichen Unterhaltsbedarf von plusminus 500 Euro für ein Kind.

 

6. Je überflüssiger Arbeitsplätze in der Güterproduktion werden, umso besser. CO2-Emmissionen und Rohstoffe sowie unendliche Transportwege könnten in beachtlichen Mengen eingespart werden, würde man die Wettbewerbsfähigkeit von Nationen oder Wirtschaftsräumen auf eine andere Grundlage stellen als auf das Zauberwort Wirtschaftswachstum.

 

7. Das Aufbewahren von gerade nicht gebrauchtem Komplementärgeld und die Kreditgewährung sind von einigen Autoren beschrieben. Der Rostfaktor muss immer mit bedacht werden. Über zinsfreie Kredite siehe WIR-Bank in der Schweiz und JAK-Bank in Schweden.

 

Annelie Kinzler-Reinhold, INITIATIVE GRUNDEINKOMMEN ULM

im Oktober 2015

 

 

 

 

Ein Grundeinkommen für alle Menschen dieser Welt wäre ein geeignetes Werkzeug zur Rettung des Klimas

 

 

 

 

 

Wenn sich jedoch irgendwann die Polkappen in Wasser verwandelt haben, wird niemand mehr glauben, der freie Markt könne uns reich machen und unseren Kindern außerdem noch eine intakte Welt hinterlassen.“

 

(Wolfgang Uchatius in „Wir könnten auch anders – Wirtschaftswachstum ja oder nein? -DIE ZEIT 20.5.2009)

 

 

 

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, die Ökos wussten es schon immer, die Professoren verkünden es einer nach dem anderen auf Postwachstums-Ökonomie-Kongressen, in Rundfunk und Fernsehen und jetzt sagt es auch noch der Papst: Wir müssen unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem radikal reformieren! Sparen ist angesagt. Nicht Geld sparen, Geld hilft hier nicht. Sparen heißt, weniger brauchen, weniger haben wollen, weniger Fleisch essen, weniger T-Shirts kaufen, und das neue schicke SUV umtauschen in einen Polo. Es heißt weniger reisen, vor allem weniger fliegen und im Winter die Heizung zurückdrehen. Es heißt, beim Verkehrsminister auf dem Petitionsweg um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen bitten, wenn schon sonst keiner darauf kommt.

 

 

 

Aber das geht natürlich alles nicht – wegen der Arbeitsplätze nämlich, Sie wissen schon... Die Fleischerei-Branche würde zur Hälfte eingehen.* Die modernen Mastbetriebe würden nicht mehr gebraucht, noch bevor sie richtig Rendite erwirtschaftet haben. Der Handel mit den asiatischen Textil-Produzenten „Billigware gegen Devisen gegen deutsche Industrieprodukte“ würde zusammenbrechen. Die Touristik-Branche würde große Not leiden. Heere von Ingenieuren Piloten und dienendem Personal in der Fliegerei wären ohne Arbeit. Der neue Berliner Flughafen würde endgültig zur Bauruine. Deutsche Autoproduzenten, ihre Zulieferbetriebe und die daran hängenden Transportunternehmen mit tausenden von Mitarbeitern müssten schließen. Es geht nicht, das sieht jeder ein. Aber geht denn das andere? Die Erderwärmung und die Verknappung der Schätze der Erde sind seit Jahrzehnten Top-Themen der Weltpolitik, offen und im Geheimen. Sind diese Bedrohungen begründet, oder sind sie es nicht? - Sie sind es! Und eine wachsende Reihe verantwortungsvoller Wissenschaftler wird nicht müde, uns ihre Folgen vor Augen zu führen: Mehr Dürren und Überschwemmungen, mehr Menschen in Armut und Not. Mehr Kriege, die immer auch reale Verteilungskämpfe sind neben vorgeschobenen ideologischen Motiven. Mehr Flüchtlinge, vor allem.

 

 

 

Ein Dilemma ist laut Wörterbuch eine Aufgabe, deren Lösung immer eine Wahl zwischen zwei Übeln ist. Das Bild der Zwickmühle trifft noch härter – man ist in in eine ausweglose Lage geraten. Der Gewinner muss den Gegner bis zum Schluss bekämpfen. Der Verlierer muss tatenlos dabei zusehen. Beim Mühlespiel gibt es erst wieder eine Chance, wenn beide Parteien von vorne beginnen. Das Dilemma heißt in diesem Jahrhundert: Klimawandel oder Arbeitsplätze. Dies ist kein Mühlespiel, denn noch können Menschen entscheiden, wo die Reise hin geht. Sie haben schließlich auch den bisherigen Reiseweg bestimmt. Halten wir fest an der Vorstellung, dass jemand seine bürgerliche Existenz durch einen Erwerbs-Arbeitsplatz begründen muss, um nicht als „Randgruppen-Mitglied“ abgehandelt zu werden? Brauchen wir wirklich alle einen 8-Stunden-Job, oder reichen 4 Stunden? Die Zeiten haben sich geändert, die Automatisierung, auch im Büro und in den Lagerhallen, schreitet weiter. Was für ein Trauerspiel, dass wir die arbeitslosen Jugendlichen allein in Europa nicht sinnvoll beschäftigen, weil wir sie im so genannten non-profit-Bereich nicht bezahlen können oder wollen. Es gibt so viel zu tun! Und wie hoffnungslos zu denken, dass das Geschöpf des Zauberlehrlings, der Weltmarkt, dieses seltsame Wesen, die Menschheit beherrscht und die Zerstörung der Lebensbedingungen auf der Erde vorantreibt, zwangsläufig, ob er will oder nicht.

 

 

 

Die Entscheidung für ein bedingungsloses, bescheidenes, Existenz sicherndes Grundeinkommen für jeden Menschen wäre ein brauchbares Werkzeug, die Zwickmühle zu umgehen (www. Grundeinkommen-ulm.de). Es könnte in jeder Nation entsprechend der dortigen Kaufkraft aus den Steuererträgen, also aus der nationalen Wertschöpfung, verteilt werden. Es könnte aber auch als parallele Währung zur jeweils gültigen Landeswährung hinzu geschöpft und von einer alternativen „Zentralbank“ verwaltet werden. Wie die großen Kredite dieser Welt, enstünde dieses Geld „aus dem Nichts“. Eine Entwertung von plusminus 10 % im Jahr anstelle von Zinsen sorgt dafür, dass dieser „Kredit“ langfristig wieder getilgt wird. Er kann Nachfrage erzeugen und sogar Mehrwertsteuern bezahlen, wie die an vielen Orten der Welt praktizierten Regionalwährungen beweisen. Dieses „Finanzierungsmodell“ unterscheidet sich von anderen längst durchgerechneten und als bezahlbar erkannten Modellen auf der Basis der gewohnten Steuern und Abgaben.

 

 

 

Hat gerade jemand gesagt, er würde dann überhaupt nichts mehr arbeiten? Natürlich werden auch weiterhin Güter erzeugt und konsumiert und Arbeitskräfte dafür benötigt. Die Produktionsseite wird aber künftig Arbeitsplätze abbauen, weil es Sinn macht, und nicht um die Rendite zu erhöhen. Denn wer mit der Sicherheit auf der Straße steht, dass er nicht stehlen und morden oder seine Würde verkaufen muss, steht dort etwas als ein Bettler, auch wenn es nur zu einer, sagen wir franziskanischen Lebensweise reicht. Deshalb soll das Existenz sichernde Grundeinkommen kein Almosen, sondern ein Menschenrecht sein. Ob jemand zu einem „Sozialschmarotzer“ wird, hängt allerdings nicht zuletzt davon ab, ob er rechtzeitig gelernt hat, dass kein Mensch leben kann, ohne dass andere etwas für ihn leisten.

 

 

 

Der dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem innewohnende Antrieb des „Höher-Schneller-Weiter“ kann in die Sport-Stadien zurückkehren, in denen zur Zeit die ganz großen Geschäfte getätigt werden. Wie sind die dorthin gekommen? Wem nutzen die gigantischen Einsätze an Intelligenz, Material und Arbeitskraft für die „Spiele“? Ist das wirklich nur zu unserer Unterhaltung?

 

 

 

Das bedingungslose Grundeinkommen – ohne die Verpflichtung zu einer Erwerbsarbeit und ohne Offenbarung der persönlichen Vermögensverhältnisse - würde es auch uns Deutschen ermöglichen, den Zielen der Menschenrechts-Charta wieder näher zu kommen. Es ginge um Kooperation, statt um Konkurrenz. Der Klimawandel sei „eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit“, schreibt Papst Franziskus. Vielleicht sollte ich ihm meinen Aufsatz schicken?

 

 

 

V.i.S.d.P. Annelie Kinzler-Reinhold Juni 2015

 

 

 

Lese-Empfehlung: Im Internet „Jan Müller hat genug“ von Wolfgang Uchatius in DIE ZEIT online 2011

 

 

 

*In der vorösterlichen Fastenzeit hat in diesem Jahr die Fleischerei-Innung der Schweiz von sich reden gemacht. Den großen Sozialverbänden wurde angekündigt, dass sie künftig keinerlei Spenden mehr erhielten, sollten sie weiterhin den Verzicht auf Fleisch in der Fastenzeit befürworten.