Ja, wer arbeitet dann noch?

 

 

Das ist die alles entscheidende Frage!

Sollte die Antwort darauf sein, dass dann unbeliebte, für die Aufrechterhaltung unserer Zivilisation notwendige Tätigkeiten ungetan blieben, dann wäre das BGE sicher der falsche Weg.

 

Wir von der IGU beschäftigen uns ständig mit diesem Thema. Und so mancher/manche von uns geben darauf Antworten mit unterschiedlichen Akzenten:

 

Henning Jonas:

Ich gehe davon aus, dass Psychologen, Neurobiologen (Hirnforscher), Soziologen, und inzwischen auch so manche Unternehmer recht haben, wenn sie sagen:

- „Der Mensch“ will arbeiten! Ohne eine Tätigkeit, in der er einen Sinn für sich sehen kann, wird er krank. Das

   Streben nach Anerkennung der eigenen Leistung und der Person und nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft

   sind die hierfür zugrunde liegenden Motive.

- Je mehr Menschen in einer Gesellschaft erkennen können, was zu tun ist, desto besser geht es der

   Gesellschaft. Daraus ergeben sich die Ziele, die einen Sinn machen. Sogenannte unbeliebte Tätigkeiten

   werden getan, wenn sie als notwendig und damit als sinnvoll angesehen werden, und ihre Verrichtung

   entsprechend anerkannt wird.

-  Wenn wir wollen, dass die Menschen Freiräume zur Entfaltung ihrer Kreativität haben (auf die am

   Ende unsere Volkswirtschaft angewiesen ist), dann dürfen wir sie allerdings nicht bedrohen und Angst erzeugen.

   Das tun wir aber mit den Hartz IV-Gesetzen. Jeder, der seinen Arbeits- (und damit Einkommens-) -platz verliert,

   und sich irgendwann auf staatliche Hilfe angewiesen sieht, dem wird das Recht auf Freizügigkeit im ganzen

   Bundesgebiet (GG Art. 11) und auf freie Wahl des Berufes, des Arbeitsplatzes und der Berufsstätte – keinArbeitszwang

   (GG Art. 12) entzogen. Und wer sich dem nicht unterwirft, dem wird darüber hinaus mit dem Entzug jeglicher

   öffentlicher Unterstützung, also mit absoluter Armut – und damit Ausgrenzung - gedroht. Das wiederum ist mit

   der Würde des Menschen (GG, Art. 1) unvereinbar. All das gehört abgeschafft, damit sich die Menschen motiviert

   fühlen, sich selbstbestimmt und mitverantwortlich in die Gemeinschaft einzubringen. Das BGE schafft dazu ein

   Sprungbrett.

 

***

 

Klaus Reibisch, Heinz Stadelmann:

Das BGE kann nach unserer Vorstellung nur so hoch sein, dass das Existenzminimum gewährleistet ist. Es wird Menschen geben, die sich damit – wie mit der bisherigen Sozialhilfe - begnügen und sich für ein Leben mit bescheidenen Ansprüchen entscheiden. Die Allermeisten werden aber wie bisher mehr haben wollen als das Existenzminimum, weil sie sich einen höheren Lebensstandard leisten wollen oder weil ihre wirtschaftlichen Verhältnisse sie dazu zwingen. Der Anreiz, durch Arbeit mehr Geld zu verdienen, wird deshalb auch mit einem BGE bestehen bleiben und seine Berechtigung haben. Entscheidend für die Arbeitsmotivation ist auch, dass bei einer angenommenen Steuer-Flatrate von 45% jeder erworbene Euro sich lohnt und erworbene Besitzstände nicht angegriffen werden. Außerdem wird die Arbeitsmotivation von dem Druck entlastet, durch Arbeit allein den Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Es eröffnen sich Spielräume für mehr selbstbestimmte Arbeit. Vor allem Menschen mit kleinem oder unsicherem Arbeitseinkommen und mit niedriger Rente können mit weniger Existenzangst leben und arbeiten und ihre Zukunft planen. Es ist zu erwarten, dass dadurch mehr Aktivität und Arbeitsfreude freigesetzt wird als durch den Druck, den das heute bestehende Sanktionssystem auf Arbeitende und Arbeitslose ausübt.

 

***

 

Lieber Leser, liebe Leserin,


wir sind sehr an Ihrer Meinung zu diesem Thema interessiert, und würden uns freuen, wenn Sie sie uns mitteilen würden.

Unter Kontakt und Meinungen finden Sie dazu die Möglichkeit...